Angedacht zum Sonntag, den 02.08.2020

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Angedacht zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 26.07.2020

„Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.” (Hebräer 13,2; aus dem Predigttext des Sonntags)

Ich kann diesen Vers nicht lesen, ohne an eine Begebenheit zu denken, die gerade einmal ein paar Wochen zurückliegt. Da klingelte irgendwann Ende Mai mein Telefon, am anderen Ende der Leitung Annika, eine Abiturientin und zugehörig zu einer Kirchengemeinde in einem benachbarten Kirchenkreis; so stellte sie sich vor, und auch ihr Anliegen: nach den letzten Abiklausuren, so sagte sie, wolle sie eine Radtour machen über einige Tage, und ob sie da an einem bestimmten Abend in Niederaußem im Gemeindezentrum ihre Isomatte ausbreiten und dort übernachten dürfe?! Spontan konnte ich mir das durchaus vorstellen, fragte bei uns herum, ob dem irgendetwas entgegenstünde, sprach dann aber auch mit meiner Frau, und wir kamen gemeinsam zu dem Schluss, dass die junge Frau dann wohl doch besser in unserem Gästezimmer aufgehoben sei. Beim Rückruf zwei Tage später schlug ich ihr das so vor, und sie nahm die Einladung gerne an, auch wenn sie, wie sie sagte, dafür einen kleinen Umweg in Kauf nehmen müsste.

Schon bevor Annika dann Mitte Juni an einem frühen Samstagabend bei uns in Bedburg vorradelte, war ich irgendwie ganz angetan: Ich fand das Vorgehen der jungen Frau beeindruckend, kreativ, eine gute Idee, hier einfach beim Pfarrer anzurufen und …`mal zu fragen; ja, ein bisschen wie ein Experiment, eine kleine Mutprobe, so erschien mir ihr Projekt. Und mir war klar: solcher Mut müsse belohnt werden. So waren meine Frau und ich gespannt auf unseren Besuch, wir freuten uns bereits im Vorfeld – „Engel beherbergen…“ so, schoss es mir irgendwann durch den Kopf, das war doch bereits eine biblische Idee und Verheißung…

Und so war es dann auch, ganz wunderbar! Dieser Besuch war ein Geschenk! Plaudern beim gemeinsamen Abendessen. Erzählen aus dem Leben hin und her. Hören von den Erfahrungen an den zurückliegenden Tagen auf der Tour: wie Annika da immer mal wieder an irgendwelchen Haustüren geklingelt hatte, um Wasser für Ihre Trinkflasche zu erbitten, und wie positiv da die Menschen in der Regel reagiert hatten – auf solche entwaffnende Freundlichkeit, solch  entwaffnendes Vertrauen hin; das alles so inspirierend, ermutigend, auch selbst einmal wieder etwas in dieser Richtung auszuprobieren; auch Erinnerungen auslösend an frühere eigene positive Erfahrungen, wie ich da – was ich nie vergessen werde – im Bergischen in der Adventszeit einmal mit dem Auto auf freiem Feld in Schneeverwehungen steckengeblieben war, und dann spätabends bei wildfremden Menschen ganz überraschend höchst freundliche Aufnahme erfuhr für die Nacht…

Dankbar, bereichert, ja, ich möchte sagen, gesegnet, durch die von Anfang bis Ende so wunderbare Begegnung mit Annika, so ließen wir sie dann am nächsten Morgen nach dem Frühstück, wenn auch ein wenig schweren Herzens, weiter fahren Richtung Köln.

Gerne haben meine Frau und ich uns dann in der Folgezeit erinnert, und wir haben es in der Tat so empfunden: dass wir da einen Engel beherbergt hatten; einen Engel, der uns vielfältig inspiriert hat, nicht zuletzt uns schon etwas Ältere dazu , auch vielleicht mal wieder etwas mehr zu wagen, Vertrauen zu wagen, ganz alltäglich.  

Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.” (Hebräer 13,2).

Ich lese diese Aufforderung als eine Aufforderung zu Offenheit, letztlich zur Offenheit Gott gegenüber. Leben wir doch stets von dem, was uns zukommt. Letztendlich von dem Segen, der über uns kommt; wie und wodurch auch immer vermittelt. Gerade die Gastfreundschaft, sie kann uns Entscheidendes lehren, über das Vertrauen, hin und her, und dass es trägt.

Nicht zuletzt wirft die Aufforderung hier aber natürlich auch die Frage auf an uns als Gemeinde: wie gastfreundlich sind wir eigentlich als Gemeinde?! Was tun wir dafür, dass andere sich bei uns wohlfühlen?! Wieviel Interesse ist da, wie gehen wir aufeinander zu?! Überlassen wir das alles dem Zufall, nach dem Motto: schauen wir mal, wie es sich ergibt, oder schaffen wir entsprechende Strukturen?! Was bedeutet es, dass gerade im Anderen, im zunächst Fremden Gott selbst uns begegnen will, einschließlich  auch aller doch so nötigen bereichernden Infragestellung?!

Wir verpassen so viel, wo wir die Gastfreundschaft vergessen. Und kann man wirklich darauf verzichten wollen, Engel zu beherbergen?!

Einen gesegneten Sonntag und eine Woche mit vielen guten Begegnungen wünscht Ihnen  Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath

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Angedacht zum 6. Sonntag nach Trinitatis 19.07.2020

Denn du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott. Dich hat der Herr, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der Herr euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. (5. Mose 7, 6-8)

Dass Gott gerade das nach menschlichen Maßstäben Kleine erwählt, das Unscheinbare, Geringe, es hat Tradition…

Denken wir an Weihnachten: da am Rande der Welt, in Bethlehem, wird Jesus geboren, in schäbigsten Verhältnissen der Retter der Welt…

Denken wir an so manchen Propheten, der sich selbst kaum für geeignet hielt für die ihm zu übertragende Aufgabe, oder an David, welcher beinahe übersehen wurde, als Samuel unterwegs war mit dem Auftrag, einen König für Israel zu salben…

Denken wir, wie hier, an die Erwählung Israels selbst, dieses im Vergleich zu seinen Nachbarn so kleinen und unbedeutenden Volksstammes…

Es hat Tradition, dass Gott, das nach menschlichen Maßstäben Kleine, Unscheinbare, Geringe erwählt… denn damit wird in besonderer Weise die Voraussetzungslosigkeit der Liebe Gottes offenbar. Alles liegt hier an Gott, dem auf Seiten des Menschen nur Hingabe, Offenheit, Vertrauen entsprechen können und sollen.

Genau da liegt allerdings auch schon wieder der Haken: denn zu akzeptieren, dass es sich so verhält, fällt uns oft so erschreckend Gernegroßen gar nicht so leicht. Uns, die wir uns lieber selbst bespiegeln, als uns ganz einfach von Gott gnädig und liebevoll angesehen sein zu lassen; uns, die wir viel zu oft meinen, wir müssten „noch wer weiß was“ werden, statt zu erkennen, dass wir längst „wer“ sind: Gottes geliebte Geschöpfe; einfach nur uns gefallen zu lassen, dass Gott auch bei uns aus Letzten Erste macht.

Ganz in diesem Sinne ruft Paulus etwa zu Beginn des Korintherbriefes den Christinnen und Christen in Korinth zu: Seht auf eure Berufung! Denkt zurück an den Anfang! Und verdunkelt das Geheimnis eurer Erwählung durch Gott nicht dadurch, dass ihr meint, euch selbst noch groß machen zu müssen – mit allen negativen Folgen, die das doch haben muss; nein, ihr seid schon „wer“, längst höchst angesehene Leute bei Gott!

Gerade als solche, die sich das gefallen lassen, braucht Gott uns in dieser Welt; als in solchem, im besten Sinne Demütige, nicht Hochmütige; als solche, die nun auch ihrerseits das Kleine nicht übersehen, sondern zu Ehren bringen; als solche, die in dieser oft so von Härte und Stolz gezeichneten Welt auch ihrerseits auf die Liebe setzen und für die Liebe werben, die sich nicht beteiligen an so manchem irren Wettstreit in dieser Welt, der doch nur auf Kosten Dritter geht; Gott braucht uns als solche, die sich vor allem als von ihm geliebte Menschen sehen.

In einmaliger Weise kommt, worum es geht, in der christlichen Taufe zum Ausdruck: dass Gottes Ruf, Gottes Liebe den Menschen zu dem macht, der er ist. Um dann höchstens immer mehr zu werden, welcher er längst ist.

Dass der Mensch im entscheidenden längst „wer“ ist, und von daher ganz entspannt erst einmal darauf verzichten kann, noch „wer weiß was“ werden zu wollen (und dabei möglicherweise jede Menge Schaden anzurichten oder sich in irgendwelche – erneute – Knechtschaft zu begeben), kommt in einer meiner Lieblingsgeschichten von Peter Bichsel auf eigene und, wie ich finde, recht zauberhafte Weise zur Sprache:

„Am Hof gab es starke Leute und gescheite Leute. Der König war reich und mächtig. Die Frauen waren schön und die Männer mutig, der Pfarrer war fromm und die Küchenmagd fleißig. Nur Colombin, Colombin war nichts. Wenn jemand sagte: „Komm, Colombin, kämpf mit mir!“, sagte Colombin: „Ich bin schwächer als du!“ Wenn jemand sagte: „Wie viel gibt zwei mal sieben?“, sagte Colombin: „Ich bin dümmer als du!“ Wenn jemand sagte: „Getraust du dich über den Bach zu springen?“, sagte Colombin: „Nein, ich getraue mich nicht!“ Und wenn der König fragte: „Sag, Colombin, was willst du werden?“, antwortete Colombin: „Ich will nichts werden, ich bin schon wer, ich bin Colombin!“ (aus Peter Bichsel: Kindergeschichten)

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath

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Angedacht zum 5.Sonntag nach Trinitatis, den 12.07.2020

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, sagen wir… oder so: Wer etwas riskiert, der kann vielleicht verlieren, wer aber gar nichts riskiert, der hat schon verloren… Begegnungen mit Jesus waren wohl auch eine allemal riskante Sache…, sie forderten zum Vertrauen heraus, welches sich freilich lohnen sollte….

Simon Petris und seine Fischerkollegen, von denen uns im Evangelium des 5. Sonntags nach Trinitatis berichtet wird, könnten ein Lied davon singen: sie handelten gegen alle Erfahrung, als sie sich von Jesus überreden ließen, noch einmal die Netze auszuwerfen, wo doch alle wussten: Fische gibt es am Morgen auf keinen Fall. Doch sie wagten es, wider alle Vernunft. Und siehe da…! Gar nicht so viel anders Paulus, der für das törichte, ärgerliche Wort vom Kreuz alle Weisheit der Welt aufs Spiel setzte….

Und auch schon Abraham, Urvater des Glaubens, mag einem bei der Gelegenheit einfallen: mit seinem Hoffen und Handeln ebenfalls wider alle Vernunft, wider alle Erfahrung. Allein auf Gottes Wort hin bricht er auf. In einem Alter, wo sich so mancher sonst längst zur Ruhe gesetzt hat. Völlig verrückt, mögen da andere, mag vielleicht auch er selbst angesichts dessen gedacht haben. Und doch: Abraham tut es, muss es geradezu tun. So groß ist sein Vertrauen.

Im 1. Buch Mose, Kapitel 12, 1-4 heißt es davon:

Und der Herr sprach zu Abram:
Geh aus deinem Vaterland
und von deiner Verwandtschaft
und aus deines Vaters Hause
in ein Land, das ich dir zeigen will.
Und ich will dich
zum großen Volk machen
und ich will dich segnen
und dir einen großen Namen machen,
und du sollst ein Segen sein.

Abraham bricht auf, macht sich auf den Weg. Lässt alle üblichen Sicherheiten hinter sich, vertraut sich ganz Gott an. So mächtig ist die Verheißung Gottes, welche er im Ohr hat. Abraham geht los, geht in die fremde, mit allem, was menschlich betrachtet auch dazugehört haben mag an Risiko. Doch er geht los, weil er sein Lebensziel noch nicht erreicht hat. Weil er Gott vertraut. Und damit kann er zum Vorbild werden, zum Vorbild des Glaubens.

Auf gewisse Weise, gilt schon, wenn man so will, dass der Weg das Ziel… Oder um es mit Martin Luther zu sagen: „Unser Leben ist nicht ein Sein, sondern ein Werden.“ Damit, dass Abraham überhaupt voller Vertrauen aufbricht, damit ist im Kern schon das wesentliche erreicht… Sich einlassen, Aufbrechen, selbst aufbrechem und damit ineins das starre Korsett des Gewohnten. So wie dann auch die, die bald als Jünger Jesus nachfolgen werden, wider alle bisherige Erfahrung hinaus auf den See fuhren, allein auf Jesu Wort hin, um eine ganz neue wunderbare Erfahrung zu machen. Sich einlassen.

Einem anderen Vertrauen schenken. Es ist, um es mit einem Bild, passend in diese Zeit, da doch die meisten Freibäder wieder geöffnet haben, zu sagen, so ein bisschen wie beim Schwimmenlernen: Wer dauerhaft am Beckenrand stehenbleibt, es nicht glaubt, dass Wasser trägt, wird eben die beglückende Erfahrung, am Ende schwimmen zu können, nie machen… Sich einlassen.

Die Dinge noch einmal anders, mit Gottes Augen zu sehen versuchen, auf Gottes Macht, auf die Liebe setzen statt auf Gewalt, zumal Andere nicht festzulegen, noch einmal hinzuschauen, und dann die Erfahrung zu machen: ja, genau, so ist es richtig, es lohnt sich, ja, es macht glücklich – ganz im Sinne der Seligpreisungen in der Bergpredigt etwa…. Abraham hatte noch einem weiten Weg vor sich, als er aufbricht aus seinem Vaterland, aus seines Vater Hause…aus dem Altbekannten … als er das vermeintlich Bewährte hinter sich lässt, um eine neue Wahrheit zu entdecken… als er als er aufbricht ins Neuland, voller Vertrauen….

Nur wer losgeht, kann ankommen. Das gilt zumal für alles Aufbrechen im Glauben.

Einen gesegneten Sonntag und eine neue Woche voller guter Erfahrungen wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath

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Angedacht zum 4.Sonntag nach Trinitatis, 05.07.2020

Was kann ein Einzelner schon machen?

Was kann ich denn schon ausrichten – gegen all das Böse in der Welt, gegen all die Ungerechtigkeiten, die es gibt.

„Was kann ich schon machen?!“ – diesen Satz kenne ich nicht nur aus der Schule von Schülerinnen und Schülern, auch viele Erwachsene sagen und denken ihn. Und ehrlich gesagt, auch ich selbst ertappe mich bei diesem Gedanken. „Was kann ich denn schon ausrichten?“

Sollen doch erstmal die anderen etwas ändern: Die Politiker, die könnten doch wirklich etwas durchsetzen. Die Lehrerinnen und Lehrer, die könnten doch die Kinder und Jugendlichen zu besseren Menschen erziehen. Sollen doch erstmal die anderen anfangen, wieso ausgerechnet ich?

Im heutigen Predigttext geht es nicht um die anderen. Der Apostel Paulus schreibt seiner Gemeinde in Rom.

Römerbrief, 12. Kapitel, Verse 17-21:17 
Vergeltet Böses nicht mit Bösem. 
Habt anderen Menschen gegenüber stets nur Gutes im Sinn.
18 Lebt mit allen Menschen in Frieden soweit das möglich ist und es in eurer Hand liegt.
19 Nehmt nicht selbst Rache, meine Lieben.
Überlasst das vielmehr dem gerechten Zorn Gottes.
In der Heiligen Schrift steht ja:»›Die Rache ist meine Sache, ich werde Vergeltung üben‹ –  spricht der Herr.«
20 Im Gegenteil:»Wenn dein Freund Hunger hat, gib ihm zu essen.
Wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken.
21 Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse mit Gutem! 

Christliche Ethik kurz und kompakt in fünf Versen zusammengefasst. Anweisungen für den Alltag, Möglichkeiten für jeden Einzelnen. Geschrieben damals für die ersten Christinnen und Christen in Rom, aber gültig und aktuell bis heute.

Was kann ein Einzelner schon machen?

Das haben sich die ersten Christinnen und Christen sicher auch gefragt. Angesichts einer brutalen Herrschaft durch die Römer, die gar nicht erfreut waren, dass sich da eine neue religiöse Gemeinschaft gebildet hat. Paulus hat „Böses“ am eigenen Leib erfahren: Anfeindung, Benachteiligung und auch ins Gefängnis musste er für seine Überzeugung. Es waren sicher keine leichtfertig dahin geschriebenen Worte: „Vergeltet Böses nicht mit Bösem.“

Das ist schon eine ordentliche Herausforderung: Wenn mir Böses widerfährt, es dann nicht mit gleicher Münze zurückzugeben. Wenn ich ungerecht behandelt werden, es einfach so hinzunehmen. Aber genau das ist es, was der Einzelne machen kann, in der Schule, im Beruf, in der Nachbarschaft, in seinem Alltag.

Was kann ein Einzelner schon machen?

Viel – und doch nicht alles!

In den Versen 18 und 19 führt Paulus das genauer aus. Er ermutigt: Handelt im Rahmen Eurer Möglichkeiten, seid friedfertig – „soweit es Euch möglich ist“.

Es ist nicht immer einfach friedfertig zu bleiben, gerade wenn man ungerecht behandelt wird und man gerne Rache nehmen würde.

Paulus aber sagt: „Nehmt nicht selbst Rache!“ – Immerhin, da steht nicht, „Nehmt nicht Rache“. Da ist Paulus Realist.

Rache ist ein allzu menschliches Gefühl von dem sich niemand frei sprechen kann. Aber Sühne und Rache ist Gottes Sache und nicht die von uns Menschen. Also keine Selbstjustiz, auch wenn ich noch so wütend und rachsüchtig bin. Trotzdem darf ich Gedanken und Gefühle der Rache haben – das ist auch entlastend.

Was kann ein Einzelner schon machen?

Viel – und doch nicht alles! Manches bleibt Gott überlassen.

Was kann ein Einzelner schon machen?

Ein Einzelner kann viel bewirken !

Der Bibeltext spricht am Ende von Siegen und Besiegen. Das sind Kategorien, in denen wir gewohnt sind, zu denken. Entweder „Winner oder Looser“. So denken nicht nur Jugendliche. Wenn ich mich nicht wehre, nicht zurückschlage mit Worten oder Taten, dann habe ich „geloost“.

Diesen Gedankengang will Paulus unterbrechen und greift dabei zurück auf Worte Jesu, so wie er sie ähnlich in der Bergpredigt formuliert hat und wir sie auch in dem Lesungstext bei Lukas gehört haben.

Jesus ist ein Meister der Deeskalation und Irritation. In Gleichnissen, in Gesprächen, in seinem Handeln konfrontiert Jesus uns mit ungewohnten Sichtweisen: Wo wir oft nur zwei Wege sehen, eröffnet er eine neue Perspektive, eben nicht nur „Winner“ oder „Looser“. Zwischen „sich ducken oder zurückschlagen, zwischen kleinkriegen lassen oder ganz groß rauskommen“ findet er den „Dritten Weg“.

„Der dritte Weg“ – das ist auch der Titel eines Gedichtes von Dorothee Sölle.

"Wir sehen immer nur zwei Möglichkeiten
selber ohne Luft sein oder anderen die Kehle zu halten
Angst haben oder Angst machen
Geschlagen werden oder schlagen

Jesus, du hast eine andere Möglichkeit versucht
und deine Freunde haben sie weiterentwickelt

sie haben sich einsperren lassen
sie haben gehungert
sie haben Spielräume des Handelns vergrößert

Lasst uns die neuen Wege suchen"

Jesus war ein Einzelner – und doch er hat viel verändert. Er hat Menschen zum Nachdenken gebracht und damit nachhaltig beeindruckt. Jesus hat nach anderen Möglichkeiten und Wegen gesucht mit Erfahrungen des Bösen und der Ungerechtigkeit in der Welt umzugehen.

„Überwindet das Böse mit Gutem“ – und seid dabei einfallsreich! – das ist auch ein Gedanke Jesu. Denkt nicht nur in den Kategorien „looser“ oder „winner“. Begegnet einander auf Augenhöhe und sucht nach Wegen, eines gelingenden Miteinanders.

Was kann ein Einzelner schon machen?

Was kann ich denn schon ausrichten – gegen all das Böse in der Welt, gegen all die Ungerechtigkeiten?

Nicht alles – aber sehr viel – wenn ich bei mir anfange und nicht darauf warte, dass erstmal die anderen beginnen…

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche

wünscht Ihnen Pfarrer Thomas vom Scheidt

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Angedacht zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 28.06.2020

Entschuldigung?!

„Ich entschuldige mich für meine Verspätung…“, so sagte da neulich erst wieder jemand.

Egal, worum es da in der Sache geht, irgendein Versäumnis, irgendeine Nachlässigkeit, irgendein Fehler… ich stolpere immer wieder über diese eigenartige Formulierung, die mir auch selbst immer wieder herausrutscht: Sich selbst entschuldigen, sich selbst entschuldigen wollen… Dabei frage ich mich: Geht das überhaupt?! Sich selbst entschuldigen. Gehören da nicht wenigstens zwei zu.

Bei genauerer Betrachtung wird mir klar: Niemand kann sich selbst entschuldigen. Was dagegen alleine möglich und angemessen ist, ist die Bitte um Entschuldigung, oder um Vergebung. Schuld und das Entschuldigen bzw. Vergeben ist immer ein Beziehungsgeschehen. Nur die von einem Fehlverhalten betroffene Person, ob nun Gott oder Mensch, kann etwas entschuldigen oder Schuld vergeben. Ich habe noch im Ohr, wie da etwa Hannelore Kraft am vergangenen Mittwoch im nordrhein-westfälischen Landtag zum Schluss ihrer bewegenden Rede zum Gedenken an die Loveparade-Katastrophe 2010 in jeder Beziehung angemessen formuliert hat: „Wir bitten die Hinterbliebenen und Opfer um Vergebung!“

Es geht um ein Beziehungsgeschehen. Ganz in diesem Sinn ist von Schuld, Entschuldigung, Vergebung auch die Rede, wenn es in den Worten des Vaterunsers heißt: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.“ Mit (dem Versuch) einer Selbstentschuldigung ist dagegen in einem Schuldverhältnis nichts gewonnen – schon gar nicht durch ein im Vorbeigehen mehr oder minder bloß nur vor sich hin gemurmeltes „Tschuldigung“ oder „Ey, sorry, ey…“.

Es braucht den Anderen, der bereit ist, das, was ihm an Unrecht getan worden ist, seinem Gegenüber nicht nachzutragen. Gott macht uns das vor, von dem es im Predigttext des Sonntags heißt, dass er unsere Sünden „in die Tiefen des Meeres werfe“ (Micha 7,19). Christinnen und Christen feiern dieses Geheimnis just am Karfreitag, den man, wie wunderbar, in der englischsprachigen Welt im Übrigen „Good Friday“ nennt.

Niemand kann sich selbst entschuldigen. Und sollte es besser gar nicht versuchen: Er würde sich nur um das vielleicht größte Geheimnis in der Beziehung zwischen Gott und Mensch, aber dann auch Mensch und Mensch bringen, nämlich, dass eben  Vergebung möglich ist: Ein geschenktes Aufatmendürfen, dies Empfinden, nicht festgelegt zu werden auf das, was war – was allerdings, wenn es Sinn machen soll, allen zuteilwerden will. Dass Letzeres manchmal schwer verdaulich ist, weiß schon die Bibel, so wie sie da etwa die Geschichte vom Oberzöllner Zachäus (Lukas 19) und ähnlichen Gestalten erzählt; ja, auch den größten Schurken will am Ende Vergebung gelten, auch denen, auf die wir heute – nicht weniger selbstbetrügerisch (hat vielen doch gestern noch die günstige Wurst aus Massentierhaltung und industrieller Großschlachterei gemundet) mit dem Finger zeigen; Gustav Heinemann wusste schon und warnte: wer mit einem Finger auf den anderen zeigt, zeigt zugleich, genau betrachtet, immer auch mit vier Fingern auf sich selbst…

Da kommt mir Johannes, dessen ebenfalls am vergangenen Mittwoch, dem 24. Juni, d.h. genau auf halber Zeitstrecke zum nächsten Heiligabend, gedacht wurde, in den Sinn. In der bekannten Darstellung des Isenheimer Altars in Colmar zeigt auch er mit dem Finger auf einen anderen, aber nicht auf den im üblichen Sinn schnell ausgemachten Schuldigen, sondern – radikal anders – den Entschulder schlechthin, auf den Gekreuzigten, auf Christus. Johannes, dessen Name interessanterweise übersetzt bedeutet: „Gott ist gnädig“, weist uns darauf hin: wir brauchen gar nicht versuchen, uns selbst zu entschuldigen, wir dürfen und können aber um Entschuldigung bitten! Und diese befreiende Erfahrung machen, vergeben zu bekommen, wie in anderer Richtung auch zu vergeben.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath

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Präsenz-Gottesdienste wieder möglich

Altar in der Erlöserkiche in Niederaußem

Ab Pfingssonntag finden wieder Präsenz-Gottesdienste in unserer Gemeinde statt. Wir freuen uns alle sehr darauf und uns erwartet eine spannende Zeit. Nun sind aber auch einige Informationen dazu nötig und daher bitten wir Sie ausdrücklich das unten stehende Manuskript sorgfältig zu lesen.

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KinderKirche goes online

Jeden Sonntag gibt es einen Online-Kindergottesdienst aus einem der KiGo-Landesverbände.

Schaut/schauen Sie doch einfach mal vorbei.

Kinderkirche online

Gerne könnt Ihr Euch/können Sie sich auch hier über das Online-Angebot informieren:

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Neue Gottesdienstform in unserer Gemeinde: Hausgottesdienst

Gerade jetzt in der Corona-Krise wollen wir Sie als Kirchengemeinde nicht alleine lassen. Aber wie kann das gehen, wenn wir unsere Gemeindehäuser schließen müssen und es auch untersagt ist, Gottesdienste zu feiern? Daher haben wir uns dazu entschlossen, Ihnen eine Möglichkeit zu bieten, auf ungewöhnliche Weise zusammen einen kleinen Gottesdienst zu feiern. „Im Geiste“ können wir zusammen sein. Jeden Sonntag werden zu den regulären Gottesdienstzeiten die Glocken am Friedrich-von-Bodelschwingh-Gemeindezentrum in Glessen und an der Erlöserkirche in Niederaußem für 10 Minuten läuten – also von 10.15 bis 10.25 Uhr. In dieser Zeit können Sie zu Hause den kleinen Gottesdienst mit vielen anderen, die das auch bei sich machen, mitfeiern. Alles was Sie dazu brauchen ist eine Kerze und die folgende Liturgie…

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Musiker singen weltweit gemeinsam Bach-Choral gegen Corona

In einem Video des Bachfests Malaysia singen Musiker aus aller Welt gemeinsam den Chroal „Befiehl du deine Wege“ aus der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach. Sie wollen damit Menschen weltweit in der Coronakrise ermutigen.

Wir finden das ein tolles Projekt, und möchten darauf gerne verweisen. Wenn Sie Interesse daran haben, dann schauen Sie doch mal vorbei: https://www.pro-medienmagazin.de/kultur/musik/2020/03/21/musiker-singen-weltweit-gemeinsam-bach-choral-gegen-corona/

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Angebote in anderen Zeiten für Jugendliche

Auch die Jugendlichen können sich in den Gemeinderäumen bis zum 19.04.2020 nicht treffen. Aus diesem Anlass kommen wir mit den Angeboten zu Euch nach Hause.

Zum einen bieten wir einen Podcast an, der das Feeling des Jugendtreffs auf Euren Ohren erschaffen soll. Diesen findet ihr unter: https://www.spreaker.com/show/jukeboxev_1

Dafür ladet ihr die App spreaker runter oder geht einfach auf den Link. Oder sucht bei Spotify nach Jukeboxev. Oder hört ihn Euch direkt HIER auf der Homepage an.

Darüber hinaus werden wir eine Videokonferenz als Jugendtreff starten. Wenn ihr daran teilnehmen möchtet, meldet Ihr Euch bitte unter christopher.braun@ekir.de

Weitere Aktionen folgen. Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Folgt uns auf Instagram unter: evjugendniederaussemglessen oder jukeboxe_podcast

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