Angedacht-Impuls vom 3.Sonntag nach Ostern, den 03.05.2020

Viele haben sich in den letzten Wochen und Tagen wohl gefragt, wie es weitergehen mag in diesen Corona-Zeiten mit den Gottesdiensten in unseren Kirchen; spätestens seit Donnerstag dieser Woche ist klar: Gottesdienste sind grundsätzlich wieder möglich, allerdings nur unter Einhaltung strenger Regeln: ohne Gesang, mit beschränkter Teilnehmendenzahl, mit Platz-und Wegmarkierungen, mit gewissenhafter Desinfektion, mit Listen, in welche sich die Anwe-senden eintragen müssen, ohne Gesang, und, und, und. Für den Bereich des Gemeindebezirks Niederaußem-Glessen haben wir von dieser Möglichkeit nun erst einmal Abstand genommen. Vielleicht sind manche enttäuscht, aber wir bitten um Verständnis, dass wir hier mit Bedacht vorgehen wollen. Wir wollen hier nichts mit der heißen Nadel stricken. Auch ist uns wichtig, dass am Ende, bei allen diesen ganzen Maßgaben für den Gottesdienst, nun nicht das Verstö-rende gegenüber dem Erbaulichen überwiegt. Vor allem wissen wir nicht, wie wir es verant-worten sollten, wenn durch ein Wiederangebot von Gottesdiensten auf die Schnelle am Ende doch irgendwie der weiteren Verbreitung des Coronavirus Vorschub geleistet würde.

In diesem Zusammenhang lese ich den für den heutigen Sonntag vorgesehenen Predigttext Johannes 15, 1-8. Laut Vers 5 sagt da Jesus zu seinen Jüngern: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“

Da ist dieses Bild aus der Natur, vielen vertraut und bereits auf den ersten Blick anscheinend plausibel: Reben brauchen den Weinstock, aber auch umgekehrt gilt wohl: was wäre ein Wein-stock ohne Reben?! Nur Beides in inniger Verbindung macht Sinn.

Interessant ist: Das griechische Wort hier für „bleiben“ meint in seiner ursprünglichen Bedeu-tung zunächst: „im Raum sein von…“ – also eine Steilvorlage für die rasche Wiederaufnahme von Präsenzgottesdiensten im Gotteshaus?! Nun, ich denke, die Vorstellung von „Raum“ ist hier umfassend die eines Wirkbereiches – und so glaube ich dann eben auch, dass der Wirkbe-reich Jesu weit hinausreicht über alle Kirchräume und vertrauten und liebgewordenen Gottes-dienst-Traditionen; damit soll die Bedeutung von Kirchräumen und auch der entsprechenden physischen Versammlung zum Gottesdient nicht geschmälert werden, aber im Entscheidenden geht es durch all das hindurch doch immer um eben solch ein Wirken nun betont Gottes an uns Menschen! Ja, ich traue Gott zu, dass er, zumal in besonderen Zeiten, auch weit jenseits unserer Kirchräume, weit jenseits aller physischer Versammlung und gefeierter Liturgie wirkt. Wenn mir etwa Gemeindeglieder, welche früher im Bereich der ehemaligen Sowjetre-publiken gelebt haben, davon erzählen, wie sie da unter massiven Beschränkungen ihren Glauben gelebt haben, dann bekomme ich eine Ahnung davon, was es auf sich haben kann mit Bescheidenheit in diesem tiefen Sinne, und wie Gott auch und vielleicht gerade da hindurch zu wirken vermag.

Gott wirkt, sein Geist weht, wo und wie er will… So wie nun auf der anderen Seite die hier im Predigttext gemeinte Frucht auch – zugegebenermaßen verrückterweise – darin bestehen kann, etwa aus Nächstenliebe und Fürsorge auf das an sich Vertraute, wie das Angebot von oder die Teilnahme an Präsenzgottesdiensten aktuell noch zu verzichten. Ja, es sind verrückte Zeiten – und da ist kaum ein Lebensbereich ausgenommen.  

Respekt denen, die jetzt bereits wieder Präsenzgottesdienste in den Kirchen feiern; doch wir haben uns da aktuell erst einmal anders entschieden; es gibt hier wohl kein eindeutiges Richtig oder Falsch…  es gilt, wie schon der Kirchenvater Augustin vor rund 1600 Jahren sagte: „Gott ist immer größer“ – und das ist doch wahrlich Grund zur Freude; darum mit dem Namen des heutigen Sonntags gesprochen: „Jubilate!“