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Angedacht am Sonntag, den 10.07.2022 von Prädikant Ernst-Hartwig Steege

Angedacht am Sonntag, den 10.07.2022 von Prädikant Ernst-Hartwig Steege

Den Text im Johannesevangelium zu Beginn des 8. Kapitels kennen viele. Wenn er als Pantomime aufgeführt wird, wird er in der Regel schnell erkannt: Jesus lehrt im Tempel­bereich, als eine Gruppe Pharisäer und Schriftgelehrte eine Frau vor ihm auf den Boden werfen mit den Worten: „Diese Frau ist beim Ehebruch ertappt worden. Das Gesetz des Mose sagt, sie muss gesteinigt werden. Was sagst Du?“ Jesus scheint dies alles zunächst zu ignorieren und malt in aller Ruhe etwas auf die Erde. Erst auf die Wiederholung der Pharisäer hin wendet er sich zu ihnen und sagt: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“ Einer nach dem anderen verlässt daraufhin die Szene. Jesus, allein mit der Frau, fragt sie: „Hat dich niemand verdammt? – So verdamme ich dich auch nicht. – Geh hin, und sündige nicht mehr!“

Die Pharisäer wollten Jesus in eine Zwickmühle bringen. Jesus, bekannt dafür, dass er auf der Seite der Armen, der Sünder und der aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen steht, sollte nun endlich eine Sünderin einer gerechten Strafe zuführen. Damit wäre er nicht mehr der Anwalt der Sünder – oder er wäre ein Gesetzesbrecher.

Jesus stellt sich auf die Seite der Menschen, gleich ob sie Täter oder Opfer sind. Das mag uns häufig nicht gefallen, nehmen wir doch in vielen Fällen sehr schnell Position auf einer der beiden Seiten ein. Wie gern übernehmen wir die Rolle der Pharisäer und wissen genau was Recht und Unrecht ist. Oder wir beklagen uns, weil wir unrechtmäßig behandelt oder beurteilt werden.

Wir lernen von Jesus, wie barmherzig (oder warmherzig?) er mit uns umgeht. Er liebt die Sünder und ebnet ihnen den zurückgelegten Weg wie auch den zukünftigen. Aber er warnt uns auch vor der Sünde, weil wir uns durch die Sünde von ihm absondern und entfernen. Nicht das Strafrecht, das der Staat im Namen der Gesellschaft formuliert, hat den höchsten Stellenwert. Die Sünde, von der Jesus spricht, zeigt sich in dem, wie ich mich positioniere – und meinen Bruder und meine Schwester und letztlich Gott missachte.

Wie könnte diese Geschichte fortgeschrieben werden? – Ist nicht alles so vorbereitet, dass die Beteiligten einander wieder vertrauensvoll begegnen, ihre Fehler eingestehen und um Vergebung bitten und daraufhin auch Vergebung aussprechen könnten? – Einen solchen Weg geht Jesus mit uns. Ist das nicht wundervoll?

Mit lieben Grüßen – Ihr Hartwig Steege (Prädikant)