Angedacht-Impuls vom Gründonnerstag den 09.04.2020

„Eigentlich wollten wir ja…“ Eigentlich war geplant, dass…“ Eigentlich wären wir jetzt…“ Eigentlich haben wir nie damit gerechnet, dass so etwas eintreten könnte – und nun ist seit Wochen unser Leben völlig auf den Kopf gestellt. „Eigentlich…“ das mögen sich auch die Jünger Jesu gedacht haben. Nimmt doch dieser Abend während des Passafestes in Jerusalem in dem für ein Festmahl vorbereiteten Haus einen so völlig anderen Verlauf. Eigentlich sind sie doch zusammen gekommen, um in Erinnerung an die Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft das Leben zu feiern. Und nun das: Jesus kündigt ihnen an, dass ihn einer aus dieser Runde verraten wird. Und in die allgemeine Bestürzung und Betroffenheit hinein macht er auch noch so merkwürdige Andeutungen. Während er nach dem eigentlichen Essen noch Brot und Wein mit ihnen teilt…

Eigentlich wären wir heute an diesem Gründonnerstag um 18.00 Uhr in der Erlöserkirche in Niederaussem versammelt, um miteinander das Abendmahl zu feiern – mit dem wir uns unter anderem der Gemeinschaft Jesu mit uns und auch unserer Gemeinschaft untereinander versichern. Und nun das: die Kirchen bleiben leer, die Kirchentüren sind verschlossen und alle Menschen sind aufgefordert, Abstand zu halten, sich zurück zu ziehen, Gemeinschaft mit anderen zu meiden… Das ist doch genau gegensätzlich zu unserer christlichen Botschaft: uns leibhaftig im Mahl stärken zu lassen, Brot und Wein zu schmecken, den Nebenstehenden in der Abendmahlsrunde die Hände zu reichen. Kaum erträglich ist der Gedanke, dass Menschen, die allein leben, die krank und gebrechlich sind, Momente größter Einsamkeit erleben und erleiden müssen. Weil niemand sie besuchen, niemand ihnen die Hand reichen, niemand sie in den Arm nehmen darf. Und das Ansinnen dahinter, sie gerade dadurch zu schützen, schenkt nicht wirklich Trost. Krisen sind Kirchenzeiten – so ist es an anderer Stelle formuliert worden. Aber die Kirchen sind zu, verschlossen, abgeriegelt. Betreten verboten, Versammlung untersagt. Wenn wir denn Kirche nur als Gebäude vor Augen haben. Diese Zeit der Corona-Krise ist eine große Herausforderung für unsere Kirchengemeinden – und zugleich ist es die große Chance, uns darauf zu besinnen, dass DIE Kirchengemeinde aus lauter einzelnen Menschen besteht – für die die Verheißung gilt, dass sie verbunden sind durch den gemeinschaft-spendenen Geist Jesu. Und so mögen wir, jeder und jede einzelne in seinem, in ihrem Haus uns ein Stück Brot nehmen, vielleicht auch ein Glas Wein oder Traubensaft, eine Kerze anzünden, das Vaterunser beten, uns die Einsetzungsworte zum Abendmahl ins Gedächtnis rufen oder in der Bibel nachlesen unter Matthäus 26, 26-28 und dann – verbunden im Geist Gottes – Gemeinschaft in einer ganz anderen Art und Weise spirituell erleben.

Möge Gottes Geist uns dies spüren lassen, was Jesus verheißen hat:

„Ich bin das Brot des Leben. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.“ Joh. 6, 35

In dieser Zuversicht grüßt Sie herzlich

Diakonin Frauke Leist