Angedacht-Impuls vom Palmsonntag den 05.04.2020

„Die Pandemie kennt keine Feiertage“, so Angela Merkel am Mittwoch dieser Woche. Sie meinte damit allerdings wohl nur: Die Pandemie macht keine Pause. Denn dass Ostern dieses Jahr ausfiele,  das wollte die Pastorentochter doch sicherlich nicht ernsthaft behaupten. Auch wenn nun alles ganz anders kommt als erwartet.

Es kommt alles ganz anders als erwartet… Mit diesem Eindruck sind wir, wie ich finde, genaugenommen schon mitten drin im Geschehen von Ostern, so wie es sich auch bereits vorabbildet in den Ereignissen, an die wir jetzt am Sonntag, dem Palmsonntag denken: Jesus zieht, wenige Tage vor seinem Tod und seiner Auferstehung  in Jerusalem ein. Es ist ein bemerkenswertes Bild: Jesus zieht als König ein, allerdings – und das ist das Groteske daran – nicht hoch zu Ross, sondern tief, auf einem mickrigen Eselchen sitzend. Mit diesem Einzug zeigt Jesus: Ich komme nicht als Herrscher gemäß üblicher Vorstellungen, ich komme nicht als einer, der alle und alles im Griff hat, ich komme stattdessen als einer, der anteilnimmt, mitleidet, ich komme mit Macht, ja, das durchaus, aber eben mit der Macht der Liebe.

In diesen Tagen, in denen sich rund um das Corona-Virus nicht zuletzt eine ganz bestimmte Sprache , manchmal gar eine regelrechte Kriegsrhetorik breitmacht, so wenn da etwa von Kampf und Sieg (oder auch Niederlage) die Rede ist, weist mich dieses Bild von Jesu Einzug darauf hin, dass die entscheidende Stärke stets die innere Stärke ist, gerade jetzt: der

Glaube, die Liebe, die Hoffnung, wovon Jesus durch alles Weitere hindurchgetragen war. Diese innere Stärke ist es, die hilft, ja dann auch immer wieder gerade zum Tun des Rechten hilft, wofür es ja erneut in diesen Tagen ja auch viele bewegende Beispiele gibt. Zugespitzt  hat der katholische Schriftsteller Reinhold Schneider, u.a. aktiv im Widerstand gegen die Nazis, bereits 1936 in einem Text so formuliert: „Allein den Betern kann es noch gelingen“.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Woche im Zugehen auf das Osterfest.

Bleiben Sie wohlbehütet!

Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath