Angedacht-Impuls zum Sonntag Trinitatis, 07.06.2020

,,Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“  – mit diesen Worten werden unsere Gottesdienste Sonntag für Sonntag eröffnet. ,,Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“, im Namen des Dreieinigen oder Dreifaltigen, so taufen wir etwa auch.

,,Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ – diese Worte finden sich quer über die entsprechend drei Farbfelder des Bildes des österreichischen Künstlers Franz Sattler geschrieben: vor Augen sind die drei Grundfarben: Yellow, Magenta, Cyan, wie sie bei einem Tintenstrahldrucker zum Einsatz kommen, dort neben Schwarz in einer extra Tintenpatrone, allerdings nur, weil man in der Regel davon besonders viel braucht.

Nun, ob vor dem Tintenstrahldrucker sitzend, oder mit den entsprechenden wenigen Farbtuben in gelb, rot und blau in der Hand vor der Leinwand, es ist schon eine erstaunliche Sache, wie da so aus drei Grundfarben unzählig viele weitere werden können, durch entsprechende Pixelung bzw. Mischung. Ich kann mich noch erinnern, wie mir das Prinzip anfänglich aufging: da wurden in meiner Kindheit am Nachbarhaus die schmiedeeisernen Streben in der Gartenmauer quer blau, und längs gelb angestrichen, wir als Kinder staubten die Farbreste ab, verrührten sie. und bald schon erstrahlte das Kettcar ganz im 70er Jahre-Stil in reichlich quietschigem Apfelgrün.

Doch zurück zum einfach aufgebauten Bild von Franz Sattler mit seinen Farbflächen in Yellow, Magenta und Cyan – und das bei einem erst einmal so kompliziert scheinendem Thema wie der Trinität, der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist:

Die Farbe Yellow hat der Künstler Gott, dem Vater, zugeordnet. In der Kunstgeschichte steht die Farbe Gelb bzw. eigentlich Gold für die Ewigkeit Gottes, für das Göttliche.

Die Farbe Magenta hat der Künstler mit Gott, dem Sohn, verbunden. Wenn wir Magenta als Purpur verstehen, dann deutet diese Farbe sowohl auf das Blutvergießen Jesu am Kreuz als auch auf seine königliche Würde hin. Denn die aus vielen Purpurschnecken gewonnene kostbare Farbe Purpur war in früheren Zeiten allein Königen vorbehalten.

Die Farbe Cyan hat der Künstler mit Gott, dem Heiligen Geist, assoziiert. Als Farbübergang von Blau zu Grün symbolisiert Cyan vielleicht auch den Wunsch nach einer Verbindung von Erde und Himmel; anders gesagt, Hoffnung auf Weite.

Wie mit nur drei Farben alles Bunte gedruckt werden kann und dabei in jedem Buntdruckerzeugnis, das wir betrachten, diese drei Farben in unterschiedlichen Mischungsverhältnissen usw. begegnen, ganz nach Bedarf, so begegnet uns Gott, dreifaltig, dreieinig, so jedenfalls unsere Vorstellung

Gott, der Vater, hat Spuren in seiner Schöpfung hinterlassen. So können wir die Schöpfung als Hinweis auf die Größe und Herrlichkeit Gottes sehen. In Gott hat alles seinen Grund.

Gott, der Sohn, begegnet uns in Jesus Christus. In ihm ist Gott uns Menschen ganz nahe gekommen, hat sich uns offenbart, durch ihn werden wir dessen gewiss, wie Gott uns sieht. In ihm erkennen wir, wie Gott zu uns steht, und zugleich, wie wir vor Gott stehen – als begnadigte Sünder. durch die Taufe zu neuem Leben berufen.

Gott, der Heilige Geist, da geht es um die Nähe und Gegenwart Gottes in alle Zukunft hinein. Durch ihn stehen wir in der Gemeinschaft der Glaubenden, werden wir begabt mit Glauben, Hoffnung und Liebe. Er ist die Kraft Gottes für unser Leben.

Die Farbe Yellow in Verbindung mit Gott, dem Vater, kann uns daran erinnern, dass Gottes Wollen und Wirken auf die gesamte Menschheit, die gesamte Schöpfung zielt, nicht nur auf den einzelnen. Was etwa heißt, dass es nie um ein bloß individuelles Heil gehen kann, sondern zuletzt immer um die Vollendung der ganzen Schöpfung: oder, anders gesagt, dass wir, mit allen ganz praktischen Konsequenzen, die das heute schon haben soll, warten auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Die Farbe Magenta in Verbindung mit Gott, dem Sohn, kann uns daran erinnern, dass sich Gott klar und eindeutig in seinem Sohn mitgeteilt hat. Er ist das eine Wort Gottes, dem wir im Leben und im Sterben vertrauen sollen. Und weil die Bibel nach unserem Verständnis zentral von diesem einen Worte Gottes zeugt, kommt ihr nun für den Glauben ein zentraler Stellenwert zu. Sie gibt unserem Glauben einen festen Bezugspunkt, eine solide Grundlage.

Die Farbe Cyan in Verbindung mit Gott, dem Heiligen Geist, kann uns daran erinnern, dass der Glaube stets eine persönliche, existentielle Beziehung mit Gott ist. Dass der Glaube zentral nicht ein distanziertes Fürwahrhalten ist, sondern eher ein Bewegtsein und Bewegtwerden ist, ganzheitliches Vertrauen.

Wie auch sonst, ergibt sich erst im Zusammenspiel das Ganze. So wie beim Farbdrucker alle Patronen gefüllt sein müssen, damit das Bild grundsätzlich gut zum Ausdruck kommt, so ähnlich ist es auch mit unserem Glauben, unserem Bild von Gott: da ist eine Offenheit für die Gott selbst eigene Buntheit vonnöten, oder besser noch: für die ihm eigenen, ganz unterschied-lichen, und doch wieder zusammenspielenden Wirkweisen.

Und so braucht, denke ich, wer den Glauben zu sehr für eine Angelegenheit von Wissen und Verstand ansieht, wohl gerade die Erinnerung an Gott, den Heiligen Geist. Wer den Glauben zu sehr mit Gefühlen identifiziert oder seinen Glaubensstandpunkt zu verabsolutieren droht, der benötigt wohl gerade die Erinnerung an Gott, den Vater, d.h. daran, dass Gott immer größer ist, auch immer Gegenüber ist, ja, dem tut wohl die ganze Weite des Schöpfungs-glaubens gut. Und wer meint, Gott relativ indifferent mal hier, mal da wirken sehen zu können, dem tut wohl gerade die Erinnerung daran gut, dass sich stets an Jesus Christus die Geister scheiden.

Der Sonntag Trinitatis, wie nun auch das Bild von Franz Sattler erinnern daran, dass unsere Vorstellung von Gott wohl immer eine hochdynamische und lebendige bleibt, ja bleiben muss, mit unterschiedlichen, dabei allerdings ganz spezifischen Anteilen: Als Vorstellung von  Gott, dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Einen gesegneten Sonntag und eine gute Woche wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath