Angedacht zum 05.09.2021 von Diakonin Frauke Leist

Gottesdienst,

Gemeinschaft,

Gesang

Liebe Gemeinde,

In der Runde der Presbyterinnen und Presbyter unseres Gemeindebezirks haben wir sehr ausführlich und sorgsam darüber beraten, wie in Zukunft – bis auf weiteres – die sogenannte 3G-Regel, wie sie nun in NRW gilt, auch für unsere Gemeindearbeit und vor allem für die Gestaltung unserer Gottesdienste umgesetzt werden kann und soll.

Das Ergebnis unserer Beratungen sieht vor, dass ab dem 19. September bis auf weiteres an den Gottesdiensten im Bezirk NiederaussemGlessen wieder ohne Maske und Mindestabstand teilgenommen werden kann, wenn die sogenannte 3G-Regel eingehalten wird: nachweislich geimpft, genesen oder getestet. Es darf auch wieder gemeinschaftlich gesungen werden. Da dafür aber ein PCR-Test Voraussetzung wäre, der z.B. von den in den Schulen getesteten KonfirmandInnen nicht zusätzlich abverlangt werden soll, muss zum Singen dann jeweils kurzzeitig eine Maske aufgesetzt werden.

Den vollen Text dieser Regel finden Sie auch hier auf der Startseite.

In den Beratungen im Gesamt- und Bezirkspresbyterium haben wir immer wieder festgestellt, wie viel Zeit und Raum dieses ganze Pandemiegeschehen einnimmt und abfordert, wenn es darum geht, das Zusammenleben von Menschen in unserer Gesellschaft, in den Betrieben, den Kitas und Schulen, in Freizeit- und Sporteinrichtungen, in unseren Kirchengemeinden und den vielen anderen Bereichen unseres täglichen Lebens zu regeln auf der Basis immer neuer Erkenntnisse, auf der Basis von Impfquoten und Teststrategien, auf der Basis von langen, zum Teil ermüdenden Auseinandersetzungen mit den vielen verschiedenen Facetten, die dabei in den Blick genommen werden müssen.

Mich persönlich bedrückt und macht zum Teil ratlos, manchmal auch zornig, wie sehr dieses Virus unsere Gemeinschaft auf ganz anderer als der medizinischen Ebene krank macht und gefährdet.

Fest steht, egal, welches Regelwerk eingeführt wird, es wird immer Menschen geben, die das für falsch, unangemessen, übertrieben oder sogar für den Ausdruck diktatorischer Machtverhältnisse halten und dagegen reden und handeln.

Wir spüren und teilen die Sehnsucht der Menschen nach Normalität, nach alten Gewohnheiten, nach dem, was „vor Corona“ alles möglich war, nach dem, was so selbstverständlich war. Wir spüren und teilen aber auch die Sorgen und Ängste vor der immer noch nicht gebannten Gefahr, sich selbst, oder durch Übertragung möglicherweise Angehörige oder andere Menschen in unserem Berufsalltag, zu infizieren.

Und ich kann es ehrlich gesagt nicht mehr hören oder lesen, wie Menschengruppen dabei gegeneinander ausgespielt und aufgehetzt werden – Impfbefürworter gegen Impfgegner, Maskenträger gegen Maskenverweigerer, Regelbefolger gegen Regelverweigerer…

Für unser Zusammenleben, hier in der Kirche oder draußen vor der Tür, brauchen wir Verständigung und Absprachen darüber, wie wir als Gemeinschaft zusammenkommen und Gemeinschaft erleben können. Und da werden wir um Kompromisse und die dafür erforderliche Kompromissbereitschaft nicht drum herum kommen. Dabei bewegen wir uns auf dem Boden von gesetzlichen Bestimmungen und sorgsam abgewogenen Entscheidungen von VerantwortungsträgerInnen. Und jeder und jede Einzelne, der oder die Teil dieser Gemeinschaft sein möchte, ist auch VerantwortungsträgerIn.

Wer sich auf den Konsens nicht einlassen will, trägt auch hierfür selbst die Entscheidungsverantwortung. Wer Maßnahmen  nicht mittragen will, die für eine befristete Zeit für bestimmte Veranstaltungen, wie z.B. auch für unsere Gottesdienste oder auch Gruppenveranstaltungen unserer Gemeinde verbindlich gelten, kann das so für sich entscheiden. Daraus kann und darf aber nicht der Schluss gezogen werden, dass dadurch jemand ausgeschlossen wird, sondern der oder diejenige schließt sich aufgrund der eigenen persönlichen Entscheidung selbst aus.

Wir werden am 19. September das erste Mal nach 18 langen Monaten wieder ohne Maske im Gottesdienst sitzen dürfen. Und wir werden das erste Mal nach 18 langen Monaten wieder als Gemeinde miteinander singen können – was für eine schöne Perspektive. Dass wir dabei dann aber für das Singen jeweils kurzzeitig noch die Maske wieder anziehen, ist ein Zeichen der Solidarität, ein Zeichen gelebter Gemeinschaft um derer willen, die wegen eines fehlenden PCR-Tests sonst als einzige nur mit Maske oder gar nicht singen dürften.

Vielleicht hat mich auf diesem Hintergrund der für heute vorgeschlagene Predigttext besonders berührt:

Im ersten Brief des Paulus an die Thessalonicher heißt es in der „Bibel in gerechter Sprache“:

„Wir ermahnen euch, Brüder und Schwestern: Bringt die, die keine Regeln einhalten, auf den richtigen Weg, ermutigt, die in Angst sind, kümmert euch um die Schwachen, habt mit allen Geduld. Passt auf, dass niemand Böses mit Bösem an anderen vergilt, sondern sucht immer das Gute untereinander und bei allen. Freut euch immer, hört nicht auf zu beten, sagt Dank in jeder Lage, denn dies will Gott von euch in Christus Jesus.“

Und ich meine, es gibt wahrlich größere und unheilvollere Bedrohungen für den Frieden, unsere menschliche Existenz und die Zukunft unserer Erde als ein Stückchen Vliesstoff im Gesicht.

Gott behüte und bewahre Sie und euch!

Eine gesegnete Woche wünscht Ihnen und euch

Frauke Leist, Diakonin

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