Angedacht zum 25.04.2021

Schritte, die die Welt veränder(t)en

„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern.“ Dieses afrikanische Sprichwort ist irgendwann zu einem kirchlichen Kanon vertont worden. Es macht mit einem ganz einfachen Bild deutlich, welchen großen Effekt es haben kann, wenn Menschen sich für eine gemeinsame Sache, ein gemeinsames Ziel engagieren. Und es steht im Kontrast zu der Ausrede: Ja, was bringt das denn, wenn ich als einzelne Person etwas mache?

Bewegung gegen Stillstand

Aktion gegen Bequemlichkeit

„Ich pack’s an“ oder „Ich mach mit“  gegen „Bringt doch eh nichts“ und „Mir doch egal“

Ob es, wie aktuell, das Maske-Tragen, Testen und Impfen ist im Kampf gegen eine Pandemie, oder ob es das Mülltrennen zuhause, der Spendeneuro für einen guten Zweck, die Stimmabgabe bei der Wahl, das Kilometersammeln beim Stadtradeln, die bienenfreundliche Pflanze im Vorgarten, die Unterschrift unter eine Petition ist – jedes einzeln für sich genommen, mag unwirksam und damit sinnlos erscheinen. Doch der Effekt der Veränderung entsteht durch die Summierung vieler kleiner Aktionen, vieler kleiner Schritte – hin zu einer besseren Welt.

Paulus, der Apostel, war so einer, der mitgemacht hat, der sich engagiert und andere angesteckt und mitgezogen hat – und der viele kleine Schritte im wahrsten Sinne des Wortes gemacht hat. Bei insgesamt drei Missionsreisen innerhalb von ca.  9 Jahren hat er um die 16.000 km zurückgelegt, zu Fuß und per Schiff, teilweise durch Israel und Syrien, hauptsächlich durch das Gebiet der heutigen Türkei und durch einen Teil Griechenlands. Angetrieben durch seine Überzeugung, sich für die richtige Sache zu engagieren.

Doch zuerst war er, mit Geburtsnamen Saulus,  eher ein Mitläufer gewesen auf der Gegenseite, nämlich bei denen, die gerade solche Engagierten, Überzeugten verfolgt und sogar getötet haben. Und je mehr sich diese neue Bewegung ausbreitete, je mehr Menschen mitmachten und diese neue Botschaft verbreiteten, desto leidenschaftlicher  und aggressiver ging er gegen sie vor. Bis ihn eines Tages eine Licht-Erscheinung für drei Tage erblinden ließ. Durch dieses Schlüsselerlebnis wurden ihm buchstäblich die Augen geöffnet und ein Sinneswandel bewirkt.  Und nun wechselt er die Seite und wirkt fortan als Paulus im Dienste dessen, dessen Anhänger er zuvor noch erbittert verfolgt hatte.

Er ist ausgestiegen aus einer destruktiven Vereinigung, stellt sich nun gegen die vorherigen Sinnesgenossen und versucht sie von der Richtigkeit seines neuen Weges zu überzeugen. Mit der Konsequenz, dass nun er selbst vom Verfolger zum Verfolgten wird. Doch dadurch lässt er sich nicht abbringen von seiner Mission – die gute Nachricht weiter zu verbreiten und immer mehr Menschen von dem neuen Weg zu überzeugen.

Und so führt ihn im Rahmen seiner zweiten Reise sein Weg auch in die griechische Stadt Athen – eine Hochburg philosophischer Diskussionen, eine Stadt der Vielfalt auch der Religionen, eine Metropole voller Heiligtümer und Götterbilder. Hier finden sich Juden und Gottesfürchtige in den Synagogen zusammen, hier  beten Menschen zu römischen oder griechischen Gottheiten, für die es, verteilt in der ganzen Stadt, unzählige Statuen und Bilder gibt. Paulus sucht das Gespräch mit den Juden, denen eben so wie ihm die das Abbilden Gottes in einer Stein- oder Holzfigur ein Greuel ist. Und er geht auf den Markt, auf öffentliche Plätze, wo sich die diskussionsfreudigen Philosophen  mit ihm anlegen. Von vielen wird er als Schwätzer abgetan, andere sind durchaus neugierig  auf das was er von diesem für sie neuen, fremden Gott erzählt. Als sie ihn dann einladen und herausfordern, auf dem Areopag, bei einer ihrer Versammlungen in diskussionserhitzter Atmosphäre diese neue Lehre vorzustellen, nutzt Paulus die Gelegenheit sehr geschickt. Er holt sie gedanklich ab, indem er ihre vielfältige Götterverehrung würdigt, um dann die Lücke, die sie mit dem Altar für den unbekannten Gott geschaffen haben, zu füllen.

Er unterstellt ihnen – vordergründig schmeichelhaft – dass sie im Prinzip mit dieser Art Blanko-Altar unwissentlich etwas verehren, für das sie bislang noch keine genauere Vorstellung haben. Seine Botschaft: Genau das, dass ihr kein Bild gemacht habt von diesem unbekannten Gott, macht euch gedanklich frei dafür, den unbekannten Gott zu ahnen als den allumfassenden Schöpfer, als eine Allmacht, die sich nicht in ein Bild oder einen Raum fassen oder an einen Ort binden lässt. Sondern als ein Gott, der sich suchen und finden lässt von den Menschen und ihnen ganz nahe ist, weil jeder Mensch als sein Geschöpf schon unauflösbar mit ihm verbunden ist. Und dafür braucht es keine Bilder oder Statuen, im Gegenteil, die würden dem Wesen Gottes in keinster Weise entsprechen können, eben weil sie Menschenwerke sind.

Diese neue Lehre bringt die Zuhörer in Athen ordentlich ins Grübeln und Nachdenken.

Und so mancher kann den Gedankengängen des Paulus durchaus etwas abgewinnen. Vielleicht hatten manche schon selbst die leise Ahnung, ob es nicht vielleicht doch eine zu naive Vorstellung sei, zu einem menschengleichen Stück Stein, Metall oder Holz zu beten stellvertretend für eine auch im noch so reich geschmückten Tempel unerreichbare Gottheit, deren Willkür man ausgeliefert war?

Doch als Paulus den Bogen spannt zum Weltgericht und vom von den Toten auferweckten Jesus erzählt, halten ihn dann doch viele für übergeschnappt und abgedreht. Manche schütten sich aus vor Lachen, andere meinen, da könnte man sich ja noch mal später drüber unterhalten. Und nur wenige schließen sich ihm an, weil sie sich überzeugen lassen.

Die Station Athen war sicherlich nicht eine der erfolgreichsten Etappen von Paulus auf seinen Missionsreisen, aber er ließ sich dadurch nicht entmutigen oder abschrecken. Unermüdlich zog er weiter, um leidenschaftlich seine Überzeugung und seinen Glauben mit zu teilen und es waren Menschen wie er, die den Fortbestand des christlichen Glaubens durch die Jahrhunderte getragen haben.

Vor drei Wochen haben wir Ostern gefeiert – das Fest der Auferstehung, unseren Glauben daran, dass es etwas gibt, das stärker ist als der Tod, die Gewissheit, dass das Leben über den Tod siegt.

Im Licht  des Ostermorgens sehen wir den Anbruch einer neuen Zeit, die Heil und Heilung bringen soll für Gottes Schöpfung, für den Mensch und für alle Kreaturen. Doch das passiert nicht einfach so, sondern wir sind aufgefordert und verantwortlich, das, was wir erkannt haben, was wir glauben, umzusetzen und uns tatkräftig einzusetzen für eine Welt, in der Frieden und Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung nur durch das Zusammenwirken von vielen, durch viele kleine Schritte möglich sein wird.

Wir sind nicht allein unterwegs auf diesem Weg – zusammen sind wir viele. Und da ist einer, der uns versprochen hat, dass er mit uns geht.

Ich wünsche Ihnen und euch eine gute gesegnete Woche mit vielen kleinen Schritten,

Frauke Leist, Diakonin

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