Evangelische Kirchengemeinde Bedburg-Niederaussem-Glessen
+49 2272 409027
info@kirche-niederaussemglessen.de

Angedacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis – 17.07.2022

Angedacht zum 5. Sonntag nach Trinitatis – 17.07.2022

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, sagen wir… oder so: Wer etwas riskiert, der kann vielleicht verlieren, wer aber gar nichts riskiert, der hat schon verloren…

Begegnungen mit Jesus waren wohl auch eine allemal riskante Sache …, sie forderten zum Vertrauen heraus, welches sich freilich lohnen sollte…. Simon Petrus und seine Fischerkollegen, von denen uns im Evangelium des 5. Sonntags nach Trinitatis (Lukas 5) berichtet wird, könnten ein Lied davon singen: sie handelten gegen alle Erfahrung, als sie sich von Jesus überreden ließen, noch einmal die Netze auszuwerfen, wo doch alle wussten: Fische gibt es am Morgen auf keinen Fall. Doch sie wagten es, wider alle Vernunft. Und siehe da…!

Gar nicht so viel anders Paulus, der für das törichte, ärgerliche Wort vom Kreuz alle Weisheit der Welt aufs Spiel setzte….

Und auch schon Abraham, Urvater des Glaubens, mag einem bei der Gelegenheit einfallen: mit seinem Hoffen und Handeln ebenfalls wider alle Vernunft, wider alle Erfahrung. Allein auf Gottes Wort hin bricht er auf. In einem Alter, wo sich so mancher sonst längst zur Ruhe gesetzt hat. Völlig verrückt, mögen da andere, mag vielleicht auch er selbst angesichts dessen gedacht haben. Und doch: Abraham tut es, muss es geradezu tun. So groß ist sein Vertrauen.

Im 1. Buch Mose, Kapitel 12, 1-4 heißt es davon:

Und der Herr sprach zu Abram:

Geh aus deinem Vaterland

und von deiner Verwandtschaft

und aus deines Vater Hause

in ein Land, das ich dir zeigen will.

Und ich will dich

zum großen Volk machen

und will dich segnen

und dir einen großen Namen machen,

und du sollst ein Segen sein.

Abraham bricht auf, macht sich auf den Weg. Lässt alle üblichen Sicherheiten hinter sich, vertraut sich ganz Gott an. So mächtig ist die Verheißung Gottes, welche er im Ohr hat. Abraham geht los, geht in die Fremde, mit allem, was menschlich betrachtet auch dazugehört haben mag an Risiko. Doch er geht los, weil er sein Lebensziel noch nicht erreicht hat. Weil er Gott vertraut. Und damit kann er zum Vorbild werden, zum Vorbild des Glaubens.

Auf gewisse Weise, gilt schon, wenn man so will, dass der Weg das Ziel… Oder um es mit Martin Luther zu sagen: „Unser Leben ist nicht ein Sein, sondern ein Werden.“

Damit, dass Abraham überhaupt voller Vertrauen aufbricht, damit ist im Kern schon das wesentliche erreicht… Sich einlassen, Aufbrechen, selbst aufbrechen und damit ineins das starre Korsett des Gewohnten. So wie dann auch die, die bald als Jünger Jesus nachfolgen werden, wider alle bisherige Erfahrung hinaus auf den See fuhren, allein auf Jesu Wort hin, um eine ganz neue wunderbare Erfahrung zu machen.

In dem Vertrauen: wir gehen unseren Weg nicht allein. Und vor allem: egal, wohin es geht, Gott ist immer schon da. Sein Ruf kommt uns aus der Zukunft, welche er uns längst bestimmt hat, entgegen. Darum geht es.

Aufbrechen. Ein Lebensthema. Man kann da denken an die Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten, flüchten müssen, immer noch, immer wieder. Vor sechs Jahren vielleicht aus dem Iran, Syrien oder Afghanistan, und in unseren Tagen sind da Menschen auf der Flucht aus der Ukraine oder in der Ukraine, und in so vielen anderen Krisen und Kriegsgebieten dieser Erde. Da heißt es: Aufbrechen, ganz viel, ja, oft alles zurücklassen. Wie schwer kann das sein!

Aufbrechen. Davon spiegelt sich – freilich im ganz kleinen Maßstab – auch etwas in einer aktuell besonders großen Reisewelle, mit rappel- vollen Zügen, ausfallenden Flügen, Kofferchaos und, und, und. Endlich wieder raus, Unterwegssein… das Bedürfnis bei Vielen jetzt nach zweieinhalb Jahren Pandemie, Lockdown und Home-Office, so gut nachvollziehbar… Und doch reicht es wohl nicht, einfach nur entfliehen zu wollen, so wichtig doch auch die andere Frage: wo soll es da eigentlich hingehen, welches Reiseziel passt zu mir, was tut mir gut….   

Aufbrechen. Das ist ja in diesen Monaten auch ein großes Thema in unserer Kirchengemeinde. „Wir machen uns auf den Weg“… so eine eine gerne verwendete Formulierung rund um die aktuell laufenden Gespräche zu einer beabsichtigten Fusion zwischen dem Gemeindebezirk Niederaußem-Glessen und unserer südlichen Nachbarin, der Ev. Christusgemeinde Brauweiler-Königsdorf. Wir machen uns auf den Weg – man kann das hören und lesen im Sinne eines: Nix wie weg, raus aus einer schwierigen Geschichte, raus aus zermürbenden Kämpfen, das alles abschütteln, weit hinter sich lassen, ja auch das ist nachvollziehbar…. Und dennoch: versuchen zu hören, was Gott mit uns vorhat, wohin er mit uns will, und wo er uns längst erwartet, dass wir da hinkommen, , … da hinhören, lauschen, auch im Gebet vielleicht ist das dann doch noch etwas anderes… als ein bloßes „Nix wie weg“.

Aufbrechen. Auch im Alltag: Versuchen, etwas anders zu machen, nicht nur irgendwie, sondern die Dinge vielleicht wirklich mit Gottes Augen zu sehen versuchen, etwas anders machen, auf Gottes Macht, auf die Liebe zu setzen versuchen, statt auf Zwang, Gewalt, die eigenen Manipulationskünste, andere nicht festlegen auf das, was war, miteinander noch einmal neu anfangen, neu anfangen, ganz neu, voller vertrauen auf Gott und das, was er vorhat zum Guten, und dann die Erfahrung zu machen: ja, genau, so ist es richtig, es lohnt sich, ja, es macht glücklich – ganz im Sinne der Seligpreisungen in der Bergpredigt etwa….und Wege entstehen beim Gehen, sagt man schließlich manchmal…

Abraham hatte noch einem weiten Weg vor sich, als er aufbrach, aus seinem Vaterland, aus seines Vater Hause…aus dem Altbekannten …als er das vermeintlich Bewährte hinter sich ließ, um eine neue Wahrheit zu entdecken, eine größere… als er als er aufbrach ins Neuland, voller Vertrauen… in die Zukunft, in ein Land, das, und ich glaube, darauf kommt es entscheidend an, längst Gottes Land, oder wie es im gerne gesungenen Lied (eg 395) heißt: „Er selbst kommt uns entgegen, die Zukunft ist sein Land.“

Eine gute Woche wünscht Ihnen weiterhin Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath