Angedacht zum 5.Sonntag nach Trinitatis, den 12.07.2020

Wer nichts wagt, der nichts gewinnt, sagen wir… oder so: Wer etwas riskiert, der kann vielleicht verlieren, wer aber gar nichts riskiert, der hat schon verloren… Begegnungen mit Jesus waren wohl auch eine allemal riskante Sache…, sie forderten zum Vertrauen heraus, welches sich freilich lohnen sollte….

Simon Petris und seine Fischerkollegen, von denen uns im Evangelium des 5. Sonntags nach Trinitatis berichtet wird, könnten ein Lied davon singen: sie handelten gegen alle Erfahrung, als sie sich von Jesus überreden ließen, noch einmal die Netze auszuwerfen, wo doch alle wussten: Fische gibt es am Morgen auf keinen Fall. Doch sie wagten es, wider alle Vernunft. Und siehe da…! Gar nicht so viel anders Paulus, der für das törichte, ärgerliche Wort vom Kreuz alle Weisheit der Welt aufs Spiel setzte….

Und auch schon Abraham, Urvater des Glaubens, mag einem bei der Gelegenheit einfallen: mit seinem Hoffen und Handeln ebenfalls wider alle Vernunft, wider alle Erfahrung. Allein auf Gottes Wort hin bricht er auf. In einem Alter, wo sich so mancher sonst längst zur Ruhe gesetzt hat. Völlig verrückt, mögen da andere, mag vielleicht auch er selbst angesichts dessen gedacht haben. Und doch: Abraham tut es, muss es geradezu tun. So groß ist sein Vertrauen.

Im 1. Buch Mose, Kapitel 12, 1-4 heißt es davon:

Und der Herr sprach zu Abram:
Geh aus deinem Vaterland
und von deiner Verwandtschaft
und aus deines Vaters Hause
in ein Land, das ich dir zeigen will.
Und ich will dich
zum großen Volk machen
und ich will dich segnen
und dir einen großen Namen machen,
und du sollst ein Segen sein.

Abraham bricht auf, macht sich auf den Weg. Lässt alle üblichen Sicherheiten hinter sich, vertraut sich ganz Gott an. So mächtig ist die Verheißung Gottes, welche er im Ohr hat. Abraham geht los, geht in die fremde, mit allem, was menschlich betrachtet auch dazugehört haben mag an Risiko. Doch er geht los, weil er sein Lebensziel noch nicht erreicht hat. Weil er Gott vertraut. Und damit kann er zum Vorbild werden, zum Vorbild des Glaubens.

Auf gewisse Weise, gilt schon, wenn man so will, dass der Weg das Ziel… Oder um es mit Martin Luther zu sagen: „Unser Leben ist nicht ein Sein, sondern ein Werden.“ Damit, dass Abraham überhaupt voller Vertrauen aufbricht, damit ist im Kern schon das wesentliche erreicht… Sich einlassen, Aufbrechen, selbst aufbrechem und damit ineins das starre Korsett des Gewohnten. So wie dann auch die, die bald als Jünger Jesus nachfolgen werden, wider alle bisherige Erfahrung hinaus auf den See fuhren, allein auf Jesu Wort hin, um eine ganz neue wunderbare Erfahrung zu machen. Sich einlassen.

Einem anderen Vertrauen schenken. Es ist, um es mit einem Bild, passend in diese Zeit, da doch die meisten Freibäder wieder geöffnet haben, zu sagen, so ein bisschen wie beim Schwimmenlernen: Wer dauerhaft am Beckenrand stehenbleibt, es nicht glaubt, dass Wasser trägt, wird eben die beglückende Erfahrung, am Ende schwimmen zu können, nie machen… Sich einlassen.

Die Dinge noch einmal anders, mit Gottes Augen zu sehen versuchen, auf Gottes Macht, auf die Liebe setzen statt auf Gewalt, zumal Andere nicht festzulegen, noch einmal hinzuschauen, und dann die Erfahrung zu machen: ja, genau, so ist es richtig, es lohnt sich, ja, es macht glücklich – ganz im Sinne der Seligpreisungen in der Bergpredigt etwa…. Abraham hatte noch einem weiten Weg vor sich, als er aufbricht aus seinem Vaterland, aus seines Vater Hause…aus dem Altbekannten … als er das vermeintlich Bewährte hinter sich lässt, um eine neue Wahrheit zu entdecken… als er als er aufbricht ins Neuland, voller Vertrauen….

Nur wer losgeht, kann ankommen. Das gilt zumal für alles Aufbrechen im Glauben.

Einen gesegneten Sonntag und eine neue Woche voller guter Erfahrungen wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Matthias Bertenrath

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